Zunachst: Wie ankert man tatsachlich?
Bevor man sich einen einzigen Anker ansieht, sollte man ehrlich uber den eigenen Segelstil nachdenken. Wirft man den Anker nur bei ruhigem Wetter fur einen Mittagsstopp, oder verbringt man Nachte vor Anker in Buchten, wo der Wind um 3 Uhr morgens dreht? Der Nachtsegler, der bei jedem Wetter ankert, braucht einen ganz anderen Anker als jemand, der nie weiter als ein kurzer Motorausflug von einem Hafen entfernt ist.
Die gute Nachricht: Ein Anker, der bei einer Boe halt, funktioniert auch fur den Mittagsstopp. Im Zweifel also fur die schlimmste Nacht planen, die man erwartet, nicht fur den Durchschnitt.
Moderne Anker vs. die alten Klassiker
Die Ankertechnik hat in den letzten zwanzig Jahren einen grossen Sprung gemacht. Die sogenannten Neugenerationsanker schneiden in unabhangigen Tests durchgehend besser ab als altere Konstruktionen und liefern meist dieselbe Haltekraft bei 5 bis 10 Kilogramm weniger Gewicht. Hier die Kurzversion.
Moderne Schaufelanker (Rocna, Spade, Mantus, Ultra)
Diese Anker verfugen uber ein konkaves, spatenformiges Fluggel mit einer scharfen, beschwererten Spitze, die schnell eingreift und tief eingrabt. Rocna und Mantus besitzen einen Rollstab, damit sich der Anker am Grund selbst aufrichtet; Spade und Ultra erledigen das mit einer beschwerten Spitze. Sie setzen sich schnell, halten fest und setzen sich gut neu, wenn der Wind dreht. Fur die meisten Kreuzer ist das der Anker, an dem sich andere messen mussen. Wer nur einen Anker kaufen will, der einfach funktioniert, fangt hier an.
Danforth und Fortress (Flugelanker)
Flugelanker haben eine sehr grosse Flache im Verhaltnis zu ihrem Gewicht. In weichem Sand und Schlamm halten sie daher hervorragend, moglicherweise besser als jeder andere Typ. Sie lassen sich flach verstauen und sind damit ein idealer Zweitanker oder Warpanker. Der Haken: Ausserhalb von Sand und Schlamm versagen sie oft, und sie setzen sich nicht zuverlassig neu, wenn sich die Zugrichtung andert. Als einziger Anker auf einem Schwojplatz sind sie keine gute Wahl.
CQR, Delta und Bruce (Pflug- und Klauanker)
Diese Anker waren jahrzehntelang Standard und sind noch immer auf vielen Bugen zu finden. Ein Delta-Pfluganker ist unkompliziert und setzt sich ordentlich. Der gelenkige CQR und der Bruce-Klauanker sind bei Tidewechseln nachgiebiger, haben aber nach modernen Massstaben ein bescheidenes Verhaltnis von Haltekraft zu Gewicht. Der CQR ist zudem oft langsam oder schwierig beim Eingraben. Sie funktionieren, aber man schleppt mehr Gewicht fur dieselbe Sicherheit.
Dimensionierung: Grosser ist besser
Jeder Ankerhersteller veroffentlicht eine Grosstabelle nach Bootslange und Verdranguung. Diese Tabelle sollte als Minimum betrachtet werden, nicht als Empfehlung. Das gunstigste Upgrade fur das Ankern ist, eine Grosse uber dem Tabellenvorschlag zu gehen. Ein schwererer Anker setzt sich schneller, grabt tiefer und halt durch Boen, die einen zu kleinen Anker treiben lassen.
Die Mehrbelastung am Bug ist real, aber gering im Vergleich zur gewonnenen Ruhe. Kaum ein Segler hat um 3 Uhr morgens einen zu grossen Anker bereut; viele haben einen zu kleinen bereut.
Den Anker an den Meeresgrund anpassen
Kein einziger Anker ist uberall der Beste. Man sollte uberlegen, wo man die meisten Nachte verbringt:
- Sand: Fast alles halt gut. Neugenerationsanker und Flugelanker sind hier sehr stark.
- Schlamm: Ein Flugelanker (Danforth oder Fortress) oder ein grosser Schaufelanker. Hier braucht man Flache und Eindringtiefe.
- Seegras und Pflanzen: Eine scharfe, beschwerete Spitze schneidet durch, wo stumpfe Anker nur gleiten. Neugenerationsanker sind hier im Vorteil, oft muss man dem Anker Zeit lassen, sich einzugraben.
- Fels und Koralle: Nichts setzt sich zuverlassig. Viele Crews fuhren einen Greifhaken oder schweren Pfluganker, nutzen extra Kette und tauchen den Anker ab, um ihn zu uberprufen.
Deshalb fuhren erfahrene Segler zwei verschiedene Anker: einen modernen Schaufelanker als Hauptanker fur 90 Prozent der Nachte, und einen Flugel- oder Greifhaken fur die Grunde, an denen der Hauptanker Schwierigkeiten hat.
Der Anker ist nur die halbe Miete
Das ist der Teil, den Anker-Werbung nie erwahnt. Ein brillanter Anker an einer kurzen, leichten Ankerleine treibt; ein einfacher Anker mit viel Kette und richtigem Umfang halt oft bestens. Das Ankergeschirr ist ein System, und jedes Teil zahlt:
- Kette und Leine: Kette bringt Gewicht nach unten, halt den Zug auf den Anker horizontal und widersteht Scheuern. Voll-Kette oder eine Kombination aus Kette und Nylon funktionieren beide; entscheidend ist, genug davon zu haben.
- Umfang: 5:1 bis 7:1 Leinenlange zur Wassertiefe ausbringen (gemessen ab dem Bugroller, einschliesslich Tide). Zu wenig Umfang hebt den Ankerschaft an und zieht den Anker heraus.
- Setztechnik: Langsam ablassen, nicht werfen. Das Boot zurucktreiben lassen, dann sanft im Ruckwartgang eingraben, bis der Anker beisst und das Boot stehen bleibt.
- Die Ankerwache: Nach dem Ankern muss man wissen, ob man beginnt zu treiben, besonders im Schlaf.
Dazu haben wir einen eigenen Ratgeber geschrieben. Siehe unsere Ankertipps fur besseren Halt fur Details zu Umfang, Setztechnik und Schwojkreis.
Den Moment des Treibens sofort erkennen
Selbst der beste Anker kann bei einem Winddreher oder schlechtem Seegras ausbrechen. Anchor Alarm Pro uberwacht Ihre Position mit dem vorhandenen GPS und lost sofort einen lauten Alarm aus, sobald das Boot den sicheren Radius verlasst. So weckt ein treibender Anker Sie auf, bevor er zum Problem wird. Kostenlos nutzbar, kein Konto notig.
Welchen Anker also kaufen?
Wer eine klare Antwort mochte: einen modernen Schaufelanker, eine Grosse uber der Tabelle, mit viel Kette kaufen. Dazu einen Flugelanker als Zweitanker fur weiche Schlammgrunde und als Reserve. Dann mit richtigem Umfang ankern, sauber eingraben und eine zuverlassige Ankerwache laufen lassen, wahrend man schlaft. Wer diese vier Dinge tut, hat die meisten Probleme beim Ankern gelost.
Dieser Ratgeber ist allgemeine Seamanship-Information und kein Ersatz fur eigenes Urteilsvermogen, lokale Kenntnisse und eine ordentliche Wache. Bedingungen und Boote sind verschieden.
