Warum sich Kats beim Ankern anders verhalten
Mehr Windangriff
Zwei Rümpfe, eine grosse Breite, ein Brueckendeck, ein grosses Cockpit und oft ein massives Bimini bedeuten, dass ein Katamaran deutlich mehr Wind faengt als ein gleichlanges Einrumpfboot. Die Windbelastung bei 30 Knoten auf einem 45-Fuss-Kat kann 40 bis 60 Prozent hoeher sein als bei einem vergleichbaren Einrumpfboot. Das obere Ende der Kettenlaengenverhaeltnisse verwenden, im Zweifelsfall eine Groesse mehr beim Anker nehmen und fuer den staerksten Boe im Wetterbericht planen, nicht fuer den Durchschnitt.
Kein Kiel, keine Pendeldruckdaempfung
Ein Einrumpfboot mit Kiel verhaelt sich beim Ankern wie ein Pendel: Wenn der Wind den Bug zur Seite drueckt, wirkt der Kiel als rueckstellende Kraft und schwingt ihn zurueck. Ein Katamaran hat keinen solchen Mechanismus. Er jagt: Er schwingt auf eine Seite, baut Schwung auf, ueberschiesst die Mitte und schwingt zur anderen Seite. Diese Jagdbewegung erzeugt ploetzliche diagonale Rueckstosslasten auf den Anker, die die durchschnittliche Windlast um das Zwei- bis Dreifache uebersteigen koennen.
Einzelne Bugbefestigung verstaerkt das Problem
Wenn man die Ankerkette direkt zur Bugrolle eines Rumpfes fuehrt, uebertraegt jede Jagdoszillation als seitliche Schnappbelastung auf diesen einen Befestigungspunkt und von dort auf den Anker. Der Anker mag gut gesetzt sein, aber genau diese wiederholten seitlichen Rucke sind die Art der Belastung, die ihn schliesslich losarbeitet. Bei einem Einrumpfboot haelt eine einzelne, zentrale Bugrolle die Last in Linie mit dem Anker. Bei einem Kat mit versetzter Befestigung nicht.
Die Bridle: keine Option
Eine Bridle loest das Jagdproblem, indem sie die Ankerlast auf beide Bugs verteilt und Nylondehnung in das System einbringt.
Ein typisches Bridle-Setup:
- Zwei Leinen aus 10 bis 12 mm Nylon, jede etwa halb so lang wie die Bootsbreite plus 5 bis 6 m (also etwa 8 bis 10 m jede auf einem 45-Fuss-Kat mit 7 m Breite).
- Jede Leine klinkt sich von einer Bugklampe ein, laeuft nach vorne und unten und trifft an einem zentralen Punkt zusammen, wo beide mit einem Schnappschaekel, einem Kettenhaken oder einem Paar rollender Stiche an der Ankerkette befestigt werden.
- Mit montierter Bridle die Kette eieren lassen, bis die Bridle die volle Last traegt und die Kette zwischen dem Bridle-Befestigungspunkt und den Bugrollen schlaff haengt.
Was sich aendert, wenn man die Bridle montiert:
- Das Boot zeigt stetig in den Wind, statt quer dazu zu jagen. Das allein kann die Ankerlast in einer boeigen Nacht um 30 bis 40 Prozent reduzieren.
- Nylon unter Arbeitslast dehnt sich um 15 bis 20 Prozent. Diese Dehnung absorbiert jeden Boe als sanfte Verzoegerung statt als harten Ruck.
- Beide Rümpfe teilen die Last. Keine einzelne Klampe oder kein einzelner Bugbeschlag traegt alles.
- Die Kette haengt in einer Katenoid-Kurve unter dem Boot und haelt den Zugwinkel am Anker niedrig.
Ein Fehler, den man vermeiden sollte: die Bridle-Schenkel zu kurz zu machen. Wenn der V-Winkel am Kettenbefestigungspunkt breiter als etwa 60 Grad ist, beginnt die nach aussen gerichtete Lastkomponente, die Bugs auseinander zu ziehen statt das Boot vorwaerts zu ziehen. Jeden Schenkel lang genug halten, damit der Winkel moderat bleibt.
Liegeplatztypen fuer Kats
Standard-Einzelanker mit Bridle
Der Standard. Funktioniert gut in offenen Ankerplaetzen mit gleichmaessiger Windrichtung und ausreichend Schwojeraum. Auf einem 45-Fuss-Kat bei 7:1-Kettenlaenge in 5 m Tiefe betraegt der Schwojekreisradius bis zur entferntesten Ecke des Bootes etwa 45 bis 50 m. Das ist groesser als bei einem vergleichbaren Einrumpfboot und muss bei der Platzwahl beruecksichtigt werden.
Bahama-Moor (zwei Anker vorne und hinten)
Den Hauptanker fallen lassen und doppelt so viel Kette wie geplant ausbringen. Dann einen zweiten Anker direkt hinter dem Boot fallen lassen und nach vorne zum Mittelpunkt zwischen den beiden motoren. Das Boot liegt nun zwischen ihnen auf zwei Ankern und begrenzt die Laengsschwojen auf fast nichts.
Geeignet fuer:
- Enge Ankerplaetze, wo der Schwojeraum begrenzt ist
- Ankerplaetze, wo Wind oder Strom ueber Nacht mit der Tide dreht
- Gebiete mit starkem Bootsverkehr, wo ein grosser Schwojekreis fuer andere eine Gefahr darstellt
Nicht geeignet fuer: erhebliches Drehen des Windes, wo man dann in einem grossen Winkel zu beiden Ankern liegen wuerde. Ausserdem braucht es Zeit, es richtig zu setzen und einzuholen.
Heckleinen zum Ufer
Im Mittelmeer, in norwegischen Fjorden und manchen karibischen Ankerplaetzen ueblich, wo das Ufer nah ist und Ringe, Baeume oder Felsen zum Festmachen vorhanden sind. Anker vorne fallen lassen, das Heck ans Ufer zuruecksetzen und zwei Leinen vom Heck zum Ufer ausbringen. Der Anker haelt den Bug frei, die Uferleinен halten das Heck. Das Boot schwoejt kaum.
Setup auf einem Kat: Die grosse Breite ist hier ein Vorteil. Heckleinen zum Ufer an beiden Rümpfen ergeben eine sehr stabile Plattform mit fast keiner Bewegung. Leinen lang genug verwenden, damit sie nicht in einem steilen Winkel aufwaerts zum Uferbefestigungspunkt belasten.
Ankeralarm in dieser Konfiguration: Der effektive Alarmradius ist sehr klein, vielleicht 10 bis 15 m. Wenn der Anker nach vorne schleift, loest der Alarm fast sofort aus. Wenn eine Heckleine reisst, schwoejt das Boot auf dem Anker und der Alarm loest innerhalb einer Minute aus. Eng einstellen und ihm vertrauen.
Med-Moor (Heck an eine Pier)
Anker 30 bis 40 m von der Pier fallen lassen, das Heck hineinsetzen und Leinen von beiden Heckklampen zur Pier ausbringen. Die Pier haelt das Heck, der Anker haelt den Bug frei. Das ist die Standardanlage in den meisten Mittelmeermarinaas und vielen Ankerplaetzen. Der Ankeralarm ist noch nuetzlich: Wenn der Anker schleift, schwingt der Bug zur Pier, und das fruehzeitig zu bemerken ist der Unterschied zwischen einem Fenderauftrag und etwas Schlimmerem.
GPS und Ankerwache auf einem Kat
GPS-Genauigkeit ist auf einem Katamaran wichtiger als auf einem Einrumpfboot, weil der praktische Alarmradius bereits gross ist (breites Boot, groesserer Schwojekreis). Eine GPS-Abweichung von 20 m laesst sehr wenig Spielraum zwischen dem Alarmradius und einem Nachbarboot. Man will echte Genauigkeit, keine Telefon-unter-Deck-Genauigkeit.
Das Telefon-GPS-Problem auf Kats
Bei einem Einrumpfboot ist die Kajuete relativ schmal, und eine Lucke darueber bietet oft eine teilweise Himmelsicht fuer das Telefon-GPS. Bei einem Katamaran ist das Brueckendeck breit, das Kajuetendach ist massives Fiberglas oder Kohlefaser, und das Telefon-GPS durch ein geschlossenes Brueckendeck sieht typischerweise 2 bis 4 Satelliten statt 10 bis 12. Die Position schwankt bei stehendem Boot um 15 bis 30 m. Das reicht fuer einen engen Alarmradius in einem Mittelmeer-Ankerplatz nicht aus.
Garmin GLO 2 (ca. $119): die einfache Loesung
Den GLO 2 ins Brueckendeck-Netz legen, an eine Sicherheitsleine vorne klippen oder irgendwo auf dem Brueckendeck in einer Position mit freiem Himmel abstellen. Ein USB-Kabel nach unten fuehren. Per Bluetooth koppeln. Der GLO 2 nutzt sowohl GPS als auch GLONASS, was ihm Zugang zu mehr Satelliten und besserer Geometrie verschafft als ein reiner GPS-Empfaenger. Typische Genauigkeit bei freier Himmelsicht: 2 bis 5 m.
Zum Vergleich: ein Telefon in der Brueckendeck-Kajuete: typisch 15 bis 30 m. Bei 5 m Genauigkeit kann man einen 25-m-Alarmradius einstellen und sicher sein. Bei 25 m Genauigkeit braucht man einen 60-m-Radius, der auf einem Kat in einem Mittelmeer-Ankerplatz moeglicherweise die Boote auf beiden Seiten einschliesst. Der Hardwareunterschied von $119 kauft eine grundlegend nuetzlichere Ankerwache.
Der GLO 2 verbraucht kaum Strom. An einen USB-Port am Navtisch angeschlossen laeuft er unbegrenzt, ohne den Telefonakku zu belasten. Einmal gekoppelt, vergisst man, dass er da ist.
NMEA vom Kartenplotter
Wenn der Plotter die NMEA-0183-Position ueber das WLAN des Bootes sendet, Anchor Alarm Pro direkt auf die Netzwerk-GPS-Quelle zeigen. Die GPS-Antenne des Bootes ist typischerweise auf einem Decksrahmen oder Radarmast mit dauerhaft freier Himmelsicht montiert, und das Fix, das sie produziert, ist konsistent 2 bis 4 m. Das ist oft die bestmoegliche Quelle auf einem Kat, weil die Antennenposition ideal ist und kein Bluetooth im Spiel ist.
Den Alarmradius auf einem Kat einstellen
Der richtige Alarmradius auf einem Katamaran ist groesser als auf einem Einrumpfboot, das an derselben Stelle ankert. Die Berechnung:
- Die ausgebrachte Kettenlenge nehmen (z. B. 35 m bei 7:1 in 5 m Tiefe)
- Die halbe Bootsbreite addieren (7 m Breite fuegt 3,5 m zum Radius des Schwojekreises hinzu)
- Einen Puffer fuer normale GPS-Genauigkeit addieren (5 m mit einem GLO 2, 20 m mit Telefon-GPS)
Fuer dieses Beispiel: 35 + 3,5 + 5 = rund 44 m Radius. 50 m einstellen und akzeptieren, dass gelegentliches Schwojen nahe der Grenze keinen Fehlalarm ausloest.
Im Bahama-Moor oder Heck-zur-Pier-Konfiguration ist die tatsaechliche Bewegung viel kleiner und man kann einen viel engeren Radius einstellen: 15 bis 20 m sind vernuenftig und erkennen ein Schleichen schnell.
Korridormodus fuer Bahama-Moor und Heck-zur-Pier
Anchor Alarm Pro umfasst einen Korridorzonen-Modus fuer Situationen, in denen man eher laengsseits als in einem freien Schwojekreis eingegrenzt ist. Die Korridorbreite passend zur erwarteten Bewegung einstellen und die App verfolgt sie genau. Kostenlos zu nutzen, kein Konto erforderlich.
Die Uebernacht-Checkliste fuer Kats
- Einen Platz mit extra Schwojeraum waehlen: Andere Boote werden naeher heranschwingen als erwartet, weil der eigene Kreis groesser ist.
- Anker fallen lassen und Kette ausbringen: Das obere Ende des Verhaeltnisses waehlen (7:1) angesichts des hoeheren Windangriffs.
- Kraftsetzen: Gleiche Technik wie beim Einrumpfboot, aber pruefen, ob das Boot gerade zurueck trackt und nicht schert. Wenn der Kat beim Zuruecksetzen stark schert, koennte der Anker winklig gesetzt sein, also aufholen und nochmal versuchen.
- Bridle vor dem Abendessen montieren. 10 Minuten jetzt ersparen eine unruhige Nacht.
- Den GLO 2 mit Himmelsicht platzieren, bestaetigen dass Anchor Alarm Pro ihn liest.
- Alarmradius einstellen (Bootsbreite beruecksichtigen), Telefon einstecken, Benachrichtigungen aktivieren.
- Nach 20 Minuten die Spur pruefen, bevor man nach unten geht.
Das sind allgemeine Seemannschaftsinformationen, kein Ersatz fuer das eigene Urteilsvermoegen, lokale Ortskenntnisse und eine ordentliche Wache. Das Handling von Katamaranen variiert je nach Design erheblich.
